Sekundärzitat richtig angeben 2026: „zitiert nach“ in APA, Harvard und Deutscher Zitierweise
Du hast eine wichtige Aussage in einem Aufsatz gefunden — aber der Originaltext, auf den sich der Autor bezieht, ist vergriffen, in einer unzugänglichen Sprache verfasst oder schlicht nicht verfügbar. Genau für diesen Fall gibt es das Sekundärzitat mit der Formel „zitiert nach“. Doch wie diese Formel korrekt aussieht, unterscheidet sich je nach Zitationsstil: APA 7, Harvard und die Deutsche Zitierweise regeln das Sekundärzitat auf jeweils eigene Weise — und wer die falschen Elemente ins Literaturverzeichnis aufnimmt, riskiert Punktabzüge.
Dieser Leitfaden zeigt dir Schritt für Schritt, wie du ein Sekundärzitat in jedem der drei Stile korrekt angibst, was ins Literaturverzeichnis gehört und welche Fallen du unbedingt vermeiden solltest.
Was ist ein Sekundärzitat?
Ein Sekundärzitat — auch Zitat aus zweiter Hand oder mittelbares Zitat genannt — liegt vor, wenn du eine Aussage oder Idee eines Autors (der Primärquelle) nicht aus dem Originalwerk übernimmst, sondern aus einem anderen Text, der dieses Original zitiert oder bespricht (der Sekundärquelle).
Konkret: Du liest einen Aufsatz von Müller (2019), in dem Müller eine klassische Studie von Lazarus aus dem Jahr 1966 zitiert. Den Lazarus-Originaltext hast du selbst nie gelesen — du kennst die Aussage nur durch Müller. Lazarus (1966) ist damit deine Primärquelle, Müller (2019) deine Sekundärquelle. Das Sekundärzitat macht diese Konstellation im Text sichtbar und schützt dich davor, den Eindruck zu erwecken, du hättest das Original selbst eingesehen.
Abzugrenzen ist das Sekundärzitat vom direkten Zitat (wörtliche Übernahme aus einer Quelle, die man selbst gelesen hat) und vom indirekten Zitat (Paraphrase aus einer Quelle, die man selbst gelesen hat). Der entscheidende Unterschied: Beim Sekundärzitat hast du die Primärquelle nicht selbst in Händen gehabt — und das musst du offenlegen. Den genauen Unterschied zwischen Primär- und Sekundärquellen und ihre Anwendung je nach Fachbereich erklärt ausführlich der Artikel Primärquelle vs. Sekundärquelle: Unterschiede und Anwendung auf tesify.io.
Wann ist ein Sekundärzitat erlaubt — und wann nicht?
Viele Betreuende und Prüfungsordnungen erlauben Sekundärzitate nur in begründeten Ausnahmefällen. Akzeptabel sind sie typischerweise, wenn:
- das Originalwerk vergriffen oder nicht beschaffbar ist — etwa historische Manuskripte, ausländische Dissertationen oder alte Zeitschriftenbeiträge ohne Digitalisierung,
- der Originaltext in einer nicht zugänglichen Sprache verfasst ist und keine Übersetzung existiert,
- das Original weder in deiner Bibliothek vorhanden noch per Fernleihe bestellbar ist.
Nicht akzeptabel ist das Sekundärzitat hingegen, wenn:
- das Original leicht verfügbar ist — gedruckt, als E-Book, über eine Datenbank oder Open Access. In diesem Fall wird erwartet, dass du selbst nachschaust,
- du das Sekundärzitat verwendest, weil die Suche nach dem Original zu aufwendig erscheint — das ist keine akzeptable Begründung,
- du die Aussage aus dem Originalkontext herauslöst, ohne die Interpretation der Sekundärquelle zu hinterfragen.
Grundsatz: Versuche immer zuerst, die Primärquelle selbst zu beschaffen. Das Sekundärzitat ist ein Notbehelf, kein Standardwerkzeug. Wer es häufig einsetzt, obwohl Originale zugänglich wären, signalisiert dem Gutachtenden eine oberflächliche Recherche.
Sekundärzitat in APA 7
APA 7 regelt das Sekundärzitat in Abschnitt 8.6 des Publication Manual (American Psychological Association, 2020). Der Originalautor wird im Fließtext genannt; die Sekundärquelle folgt mit dem Kürzel „zit. nach“ (im englischsprachigen Original: „as cited in“).
Format im Fließtext (APA 7)
Schema:
(Originalautor, Originaljahreszahl, zit. nach Sekundärautor, Sekundärjahreszahl, S. Seitenzahl)
Beispiel — paraphrasiert:
Lazarus (1966, zit. nach Müller, 2019, S. 45) unterschied zwischen primärer und sekundärer Bewertung einer Stresssituation.
Beispiel — wörtlich zitiert:
„Die kognitive Bewertung bestimmt das emotionale Erleben" (Lazarus, 1966, zit. nach Müller, 2019, S. 45).
Ob die Jahreszahl des Originals angegeben wird, variiert in deutschsprachigen Hochschuladaptationen. Viele Einrichtungen verlangen sie, damit der zeitliche Kontext der Originalaussage erkennbar bleibt. Prüfe den Leitfaden deines Fachbereichs. Eine vollständige Anleitung zu allen APA-7-Verweisformaten bietet der Artikel APA zitieren 2026: In-Text-Verweise und Literaturverzeichnis nach APA 7.
Eintrag im Literaturverzeichnis (APA 7)
Im Literaturverzeichnis erscheint nur die Sekundärquelle — also der Text, den du tatsächlich gelesen hast:
Müller, K. (2019). Stressbewältigung und kognitive Bewertung. Springer.
Der Eintrag für Lazarus (1966) fehlt vollständig. Du hast das Original nicht gelesen — ihn trotzdem ins Verzeichnis aufzunehmen wäre wissenschaftlich unredlich.
Sekundärzitat in der Harvard-Zitierweise
Die Harvard-Zitierweise folgt demselben Autor-Jahr-System wie APA, unterscheidet sich jedoch in Details der Interpunktion. Das Sekundärzitat wird im deutschsprachigen Hochschulbereich mit „zit. nach“ oder „zitiert nach“ ausgezeichnet.
Format im Fließtext (Harvard)
(Originalautor Originaljahreszahl: Seitenzahl, zit. nach Sekundärautor Sekundärjahreszahl: Seitenzahl)
Beispiel:
(Lazarus 1966: 22, zit. nach Müller 2019: 45)
Manche Hochschulen setzen Kommata statt Doppelpunkt vor der Seitenzahl — hier gilt: Verlass dich auf den offiziellen Styleguide deines Fachbereichs. Alle weiteren Harvard-Formatregeln erklärt der Artikel Harvard-Zitierweise 2026: In-Text-Verweise und Literaturverzeichnis mit Beispielen.
Eintrag im Literaturverzeichnis (Harvard)
Wie in APA gilt: Nur die Sekundärquelle wird ins Verzeichnis aufgenommen.
Müller, K. (2019): Stressbewältigung und kognitive Bewertung. Berlin: Springer.
Sekundärzitat in der Deutschen Zitierweise
Die Deutsche Zitierweise (Fußnotensystem nach DIN 1505-2 bzw. in Anlehnung an den Chicago-Stil) arbeitet mit nummerierten Fußnoten. Das Sekundärzitat wird vollständig in der Fußnote aufgelöst — im Fließtext erscheint nur die hochgestellte Ziffer.
Format in der Fußnote (Vollbeleg)
Vgl. LAZARUS, Richard S.: Psychological Stress and the Coping Process, New York 1966, S. 22, zitiert nach: MÜLLER, Klaus: Stressbewältigung und kognitive Bewertung, Berlin 2019, S. 45.
Beim Kurzbeleg (ab dem zweiten Nachweis derselben Quelle) kann das Sekundärzitat verkürzt werden:
Vgl. LAZARUS, Psychological Stress (1966), S. 22, zit. nach: MÜLLER, Stressbewältigung (2019), S. 45.
Den Unterschied zwischen Vollbeleg, Kurzbeleg und der Abkürzung „ebd.“ erklärt der Artikel Deutsche Zitierweise mit Fußnoten 2026: Vollbeleg, Kurzbeleg und ebd. richtig setzen ausführlich.
Eintrag im Literaturverzeichnis (Deutsche Zitierweise)
Auch hier: Nur die Sekundärquelle erscheint im Literaturverzeichnis.
MÜLLER, Klaus: Stressbewältigung und kognitive Bewertung. Berlin: Springer 2019.
Was kommt ins Literaturverzeichnis? — Übersicht
Die folgende Tabelle fasst die Regel für alle drei Stile auf einen Blick zusammen:
| Zitationsstil | Fließtextverweis / Fußnote | Literaturverzeichnis |
|---|---|---|
| APA 7 | (Original, Jahr, zit. nach Sekundär, Jahr, S. X) | Nur Sekundärquelle |
| Harvard | (Original Jahr: S. X, zit. nach Sekundär Jahr: S. Y) | Nur Sekundärquelle |
| Deutsche Zitierweise | Fußnote: Original …, zitiert nach: Sekundärquelle … | Nur Sekundärquelle |
Die Primärquelle wird in allen drei Stilen nie ins Literaturverzeichnis aufgenommen, solange du sie nur aus zweiter Hand kennst. Wer beide Quellen einträgt, gibt vor, das Original gelesen zu haben — das gilt als wissenschaftliche Täuschung und kann zu Notenabzug oder Nichtanerkennung der Arbeit führen.

Die häufigsten Fehler beim Sekundärzitat
Diese Schwachstellen tauchen in akademischen Abschlussarbeiten besonders häufig auf:
- Primärquelle ins Literaturverzeichnis aufnehmen: Das Original erscheint im Verzeichnis, obwohl man es nie gelesen hat. Nur die Sekundärquelle gehört hinein.
- „Zit. nach“ im Fließtext weglassen: Die Primärquelle wird belegt, als hätte man sie selbst eingesehen — der Hinweis fehlt vollständig. Das ist eine Täuschung, auch wenn sie unbeabsichtigt ist.
- Seitenangabe der Sekundärquelle fehlt: Ohne Seitenangabe kann der Gutachtende nicht nachvollziehen, wo in der Sekundärquelle die Aussage steht. Beides — Seite der Primär- und der Sekundärquelle — sollte angegeben werden.
- Jahreszahl des Originals weglassen: In APA 7 und Harvard gehört die Jahreszahl der Primärquelle in den Verweis, damit der zeitliche Kontext der Originalaussage erkennbar bleibt.
- Schreibweise des Kürzels falsch: „zit.nach“ (kein Leerzeichen nach dem Punkt) oder „zit.n.“ sind in deutschen akademischen Texten unüblich. Korrekt ist „zit. nach“ — mit Leerzeichen nach dem Punkt.
- Sekundärzitat als Regelfall einsetzen: Wer in einer Arbeit regelmäßig „zit. nach“ verwendet, obwohl die Originale zugänglich wären, riskiert Kritik an der Recherchetiefe. Das Sekundärzitat ist die Ausnahme, nicht die Methode.
Einen umfassenden Überblick über alle Zitierstile und ihre Regeln bietet der Pillar-Artikel Richtig zitieren 2026: APA, Harvard und DIN 1505 mit Beispielen.

Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Primärquelle und Sekundärquelle?
Die Primärquelle ist das Originalwerk, in dem eine Aussage erstmals formuliert wurde. Die Sekundärquelle ist ein anderer Text, der diese Primärquelle zitiert oder bespricht — und den du tatsächlich selbst gelesen hast. Beim Sekundärzitat kennst du die Aussage der Primärquelle nur durch die Vermittlung der Sekundärquelle.
Darf ich ein Sekundärzitat in meiner Bachelorarbeit oder Hausarbeit verwenden?
Ja, aber nur in begründeten Ausnahmefällen, wenn die Primärquelle nicht beschaffbar ist. Die meisten Hochschulen erlauben vereinzelte Sekundärzitate, raten jedoch dazu, sie auf ein Minimum zu beschränken. Prüfe den Leitfaden deines Fachbereichs und frage im Zweifelsfall deinen Betreuer.
Welche Quelle kommt beim Sekundärzitat ins Literaturverzeichnis?
Ausschließlich die Sekundärquelle — also der Text, den du selbst gelesen hast. Die Primärquelle darf nicht ins Literaturverzeichnis aufgenommen werden, wenn du sie nie im Original eingesehen hast. Diese Regel gilt einheitlich für APA 7, Harvard und die Deutsche Zitierweise.
Wie lautet das korrekte Kürzel für „zitiert nach“ in APA 7 auf Deutsch?
In deutschsprachigen Texten nach APA 7 lautet das Kürzel „zit. nach“ — mit Leerzeichen nach dem Punkt. Das vollständige Format im Fließtext: (Originalautor, Originaljahreszahl, zit. nach Sekundärautor, Sekundärjahreszahl, S. Seitenzahl). Im englischsprachigen Original heißt es „as cited in“.
Muss ich beim Sekundärzitat die Seitenzahl angeben?
Ja. Du solltest die Seitenzahl der Sekundärquelle immer angeben, damit der Beleg nachvollziehbar ist. Die Seitenzahl der Primärquelle ist ebenfalls empfohlen, sofern sie aus der Sekundärquelle ersichtlich ist — sie gibt den genauen Originalkontext an.
Kann ich beim Sekundärzitat auch wörtlich zitieren?
Ja. Wenn die Sekundärquelle eine wörtliche Passage aus dem Original übernimmt, kannst du diese wörtlich zitieren — du kennzeichnest sie mit Anführungszeichen und ergänzt im Beleg den Hinweis „zit. nach“. Beachte dabei: Du verlässt dich darauf, dass die Sekundärquelle das Originalzitat korrekt und vollständig wiedergegeben hat.
Quellenangaben sicher im Griff
Sekundärzitate sind Ausnahmefälle — sie korrekt zu formatieren ist aber eine Frage der wissenschaftlichen Sorgfalt. Tesify prüft deine Zitate auf Formfehler, erkennt fehlende Seitenangaben und hält dein Literaturverzeichnis konsistent — für APA 7, Harvard und die Deutsche Zitierweise. Teste Tesify kostenlos und spare wertvolle Zeit vor der Abgabe.
